Sie befinden sich:  » Für Betroffene » Leben mit dem Stoma » Partnerschaft 

Partnerschaft

Unabhängig von der der Stomaanlage zugrunde liegenden Diagnose kann das Stoma bewusst oder unbewusst zu einer Belastung für Sie oder Ihre Angehörigen werden. Ängste und Befürchtungen über die Zukunft oder sogar Abscheu vor dem Stoma können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Diese Befürchtungen verlieren in aller Regel später an Bedeutung, aber Sie müssen erst einmal verarbeitet werden. 

Die meisten Veränderungen in unserer eigenen Wahrnehmung vollziehen sich nach und nach über Jahre hinweg, wie z. B. das Älterwerden. Eine Operation, bei der ein Stoma angelegt wird, ist eine plötzliche, wesentliche Veränderung Ihres Körpers und des Bildes, das Sie von sich selbst haben. An diese Veränderung müssen Sie sich erst gewöhnen. 

Es ist ganz natürlich, dass Sie Gefühle wie Kummer und Schmerz durchleben, während Sie sich mit Ihrem neuen, aber nicht wirklich anderen Selbst vertraut machen. Sexuelle Aktivität ist eine unserer natürlichen Funktionen und von ihr sollten Sie sich auch durch ein Stoma nicht abhalten lassen.

Partnerschaft

Tipps und Hinweise:

  • Teilen Sie Ihre Gedanken, Bedürfnisse, Ängste und Sorgen Ihrem Partner mit.
  • Zeigen Sie, dass eine warme und liebevolle Beziehung wichtig für Sie ist.
  • Bewahren Sie Ihre Vertrautheit zu Ihrem Partner und sprechen Sie offen über Probleme.
  • Berührung, Zärtlichkeit, Wärme und Zuneigung sind am allerwichtigsten.

Wenn Sie zurzeit keinen Partner/keine Partnerin haben, sich aber darüber Gedanken machen, wie Sie einem neuen Partner/einer neuen Partnerin anvertrauen können, dass Sie ein Stoma haben, so gibt es dafür keinen richtigen oder optimalen Zeitpunkt. Diese Entscheidung bleibt Ihrem Urteilsvermögen überlassen. Es erscheint jedoch ratsam, am Anfang der Beziehung, vor den ersten Intimitäten, über dieses Thema zu sprechen. So vereinfachen Sie die Situation für beide Seiten und können sich entspannen.

Stomaträger/innen haben Beziehungen, heiraten, bekommen Kinder und führen ein ganz normales Leben. Beziehungen zu einem Stomaträger/einer Stomaträgerin sind genauso stabil wie alle anderen Beziehungen auch.

Sexualität

In der Zeit unmittelbar nach der Operation können verschiedene Faktoren den Sex problematisch machen, z. B.:

  • Bedenken oder Ängste in Zusammenhang mit Ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit 
  • Ihr eigenes Körpergefühl
  • Angst vor einem Auslaufen des Stomabeutels
  • Angst vor dem Abfallen des Stomabeutels
  • Versuch, Geschlechtsverkehr zu haben, bevor Sie nach der Operation genügend Kraft und Vertrauen geschöpft haben
  • Depressive Stimmung, die häufig nach schweren Operationen auftritt
  • Medikamente, wie Blutdruckmedikamente, Antidepressiva etc.
  • Alkohol
  • Chemo- und/oder Radiotherapie

Es können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und fehlendes Interesse am Sex auftreten.

Das ist nicht ungewöhnlich und in den meisten Fällen nur eine vorübergehende Erscheinung, jedoch kann diese Erfahrung besorgniserregend sein und bei Ihnen der Eindruck entstehen, dass die Lust und der Spaß am Sex verschwunden sind.

Verständnis, Kommunikation und Wärme zwischen Ihnen und Ihrem Partner/Ihrer Partnerin sind hier besonders wichtig. Wir können nicht die Gedanken des anderen lesen. Deshalb müssen wir Fragen stellen und über die Bedürfnisse und Wünsche sprechen, wenn es um unsere sexuellen Vorlieben geht. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin diese Schwierigkeiten besprechen, damit Sie beide gelassen bleiben und sich keine unnötigen Sorgen machen. 

Tipps und Hinweise:

  • Wechseln/entleeren Sie die Versorgung bevor Sie intim werden.
  • Tragen Sie einen Beutelüberzug über Ihrer Versorgung, damit der Kunststoff nicht an Ihrer Haut klebt.
  • Beutelüberzüge gibt es in zahlreichen Formen und Materialien von Baumwolle bis zu sinnlichem Satin.
  • Geschlechtsverkehr ist für das Stoma nicht schädlich.
  • Geschlechtsverkehr über das Stoma kann gefährlich sein und wird nicht empfohlen.
  • Solange Ihre Versorgung sicher sitzt, können Sie jede Stellung wählen, ohne dass Stomabeutel oder -überzug beeinträchtigt werden oder es zu einem Verrutschen der Versorgung kommt.
  • Sie können auch einen Minibeutel oder eine Stomakappe verwenden.
  • Werten Sie die Bedenken Ihres Partners nicht als Abweisung.
  • Jede für beide Partner angenehme Position ist für den Sex geeignet.
  • Bei Bedarf kann Ihr Stomatherapeut Sie an Fachtherapeuten oder eine entsprechende Stoma-Selbsthilfeorganisation verweisen.

Tipps und Hinweise für Männer:

Bei Erektionsproblemen gibt es verschiedene Hilfsmöglichkeiten:

  • Medikamente
  • Penisinjektionen
  • Penisimplantate
  • mechanische Erektionshilfen, z. B. Vakuumpumpen

Tipps und Hinweise für Frauen:

Bei Frauen, deren Rektum bei der Operation entfernt wurde, kann sich die Empfindung beim Geschlechtsverkehr in der Vagina ändern. Es kann über Monate zu Schmerzen, Berührungsschmerzen, Trockenheit oder Ausfluss aus der Vagina kommen. Es ist wichtig, dass Sie und Ihr Partner über diese Schwierigkeiten sprechen, damit Sie beide gelassen bleiben und sich keine unnötigen Sorgen machen.

  • Verwenden Sie wasserlösliche Gleitmittel.
  • Behandlung mit einem Hormonersatzpräparat
  • Östrogensalbe
  • Änderung der Stellung beim Verkehr

Ihr Stomatherapeut kann Ihnen weitere Ratschläge geben.

Zusätzliche Informationen:

Unser Ratgeber "Stoma und Sexualität" bietet Ihnen zusätzliche Hilfe und Raschläge zum Thema der Partnerschaft und Sexualität mit einem Stoma.

Hier können Sie den Ratgeber "Stoma und Sexualität" bestellen.

Vorschau "Stoma und Sexualität"

Verhütung, Schwangerschaft und Geburt

Die Operation und die Art Ihres Stomas können sich auf die Zuverlässigkeit der von Ihnen verwendeten Anti-Baby-Pille auswirken. Die Wahl der Verhütungsmethode sollten Sie mit Ihrem Arzt, Gynäkologen oder Stomatherapeuten besprechen. 

Ein Stoma ist kein Hindernis für die Schwangerschaft und Geburt. Jedoch wird aus Gründen der Eingewöhnung nach einer Stomaoperation meist eine Wartezeit von ein bis zwei Jahren vor einer Schwangerschaft empfohlen. 

Generell gibt es keinen Grund, warum Sie kein Baby haben sollten. Wichtig ist jedoch, dass Sie mit Personen sprechen, die Ihnen helfen können – mit Ihrem Arzt, Gynäkologen und Stomatherapeuten. 

Das Stoma kann anschwellen und in der Mitte der Schwangerschaft mehr als üblich hervortreten. Das Stoma erreicht nach der Entbindung meist wieder seine normale Größe.