Bei Ihnen ist eine Stomaoperation durchgeführt worden und Sie haben nun ein Urostoma zur Ausleitung von Urin bekommen.
Wir möchten Ihnen hier wertvolle Tipps und Anregungen für den Umgang und die tägliche Versorgung und Pflege Ihres Stomas geben, um Ihnen den Alltag und das Leben mit dem Stoma zu erleichtern.
Wir unterscheiden zwischen ein- und zweiteiligen geschlossenen Versorgungssystemen.
Sie bestehen aus einer Hautschutzplatte und einem Versorgungsbeutel, die miteinander verschweißt sind.
Sie bestehen aus einer Basisplatte mit Rastring und einem abnehmbaren Versorgungsbeutel.
Hautschutzplatten werden nach ihrer Wölbung in plane und konvexe Platten unterschieden.
Plane Hautschutzplatten werden bei Stomata verwendet, die prominent (über Hautniveau) angelegt sind.
Konvexe Hautschutzplatten werden bei retrahierten (zurückgezogenen) Stomata und bei anderen Komplikationen verwendet. Die Wölbung rund um die Öffnung der Hautschutzplatte ermöglicht eine optimale Anpassung.
Die Haftfläche der Hautschutzplatte dient als Schutz und ermöglicht gleichzeitig der Haut um das Stoma herum zu „atmen”.
Aus hygienischen Gründen sollte der Urostomiebeutel einmal täglich gewechselt werden. Die Basisplatte der zweiteiligen Versorgung kann ca. 2-3 Tage belassen werden.
Ob Sie sich für ein einteiliges oder zweiteiliges System entscheiden, hängt u. a. von der Beschaffenheit der Haut, evtl. Behinderungen oder auch von Ihren Kleidungsgewohnheiten ab.
Urostomiebeutel sollten eine Rücklaufsperre und ein Ablaufventil haben.
Der Beutel besteht aus mehreren miteinander verschweißten Folien, die den Urin aus dem oberen Teil des Beutels in den unteren Abschnitt gelangen lassen, jedoch ein Zurückfließen verhindern. Das Stoma wird so nicht vom Urin "umspült". Die Versorgung hält länger und einem aufsteigenden Harnwegsinfekt wird vorgebeugt.
Über das Ablaufventil wird der Beutel entleert. Außerdem kann hier der Nachtbeutel angeschlossen werden. Es besteht auch die Anschlussmöglichkeit eines Beinbeutels. Zum besseren Tragekomfort sollte der Urostomiebeutel an der Rückseite vliesbeschichtet sein.
Zur Sicherstellung der Nachtruhe empfiehlt sich die Verwendung eines Nachtbeutels mit einer Aufnahmekapazität von ca. 2000 ml. Ein Ablassventil erleichtert das Entleeren des Beutels. Auch sollte eine ausreichend lange abknicksichere Ableitung vorhanden sein. Es gibt Befestigungsmöglichkeiten, mit denen Sie den Nachtbeutel an einem Bett oder Standgestell aufhängen können.
Es ist wichtig, die stomaumgebende Haut sauber zu halten und gegen Verunreinigungen durch Urin zu schützen, da dieser Bereich ansonsten wund werden kann. Wenn sich die stomaumgebende Haut unangenehm anfühlt, Juckreiz oder Schmerzen auftreten, muss Ihre Stomaversorgung gewechselt werden.
Legen Sie alle notwendigen Materialien vor Beginn des Versorgungswechsels griffbereit. Das ist wichtig, da stets Urin tropft und der Versorgungswechsel dadurch erschwert ist.
Damit die neue Versorgung gut hält, muss die stomaumgebende Haut trocken sein.
Zum Versorgungswechsel benötigen Sie:
Hier können Sie die Broschüre "Urostomiepflege zu Hause" bei uns kostenlos bestellen.
Sie zeigt Schritt für Schritt den Wechsel einer Urostomieversorgung.
Denken Sie daran, Ihre Versorgung regelmäßig zu wechseln!
Sie können die Basisplatte eines zweiteiligen Systems 2–3 Tage belassen, wechseln Sie den Beutel jedoch einmal täglich.
Verwenden Sie keine Feuchttücher, Desinfektionsmittel oder antiseptische Flüssigkeiten!
Verwenden Sie zur Hautpflege bitte kein/e/en:
Benzin, Äther, Pflegeschaum, Desinfektionsmittel (Gefahr von Hautirritationen, Entzündungen und Austrocknung der Haut);
Enthaarungscreme (Allergiegefahr);
Salben, Fette, Öle (nicht mehr haftende Versorgung);
Schwämme, Waschlappen (drohende Pilzinfektion);
WC-Papier, Zellstoff (Krümel bleiben auf der Haut).
Teilen Sie Ihrem Arzt oder Stomatherapeuten jede Auffälligkeit mit, um größere Schäden zu vermeiden!
Hier möchten wir Ihnen erklären, welche Veränderungen im Stomabereich auftreten können. Es ist wichtig, dass Sie mögliche Auffälligkeiten kennen, um rechtzeitig reagieren zu können. Durch eine richtige Handhabung sind die meisten Probleme relativ schnell wieder behoben.
Sie sollten bei auftretenden Veränderungen auf keinen Fall eigenmächtig handeln. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte an Ihren Stomatherapeuten oder an Ihren behandelnden Arzt.
Allergien im Bereich Ihres Stomas können durch Reinigungsmittel oder auch durch Ihr Versorgungssystem entstehen. Eine Allergie kann auch dann noch auftreten, wenn Sie das Produkt schon lange Zeit benutzen. Sie erkennen eine Allergie in erster Linie an der scharf begrenzten Rötung, die Jucken oder Brennen verursachen kann. Das Produkt, welches die Allergien verursacht, muss sofort ausgewechselt werden. Nachdem der allergieauslösende Faktor abgesetzt wird, tritt die Rötung vorerst sogar noch stärker auf, bevor sie nach einiger Zeit wieder abklingt.
Ähnlich wie bei einer Allergie macht sich ein Pilz im Stomabereich ebenfalls durch Jucken, Brennen und eine Rötung bemerkbar. Hierbei ist die Rötung allerdings diffus, satellitenartig verstreut. Eine gute Hygiene kann Pilzerkrankungen vorbeugen. Zur weiteren Abklärung und Behandlung sollten Sie sich an Ihren Stomatherapeuten oder Arzt wenden.
Je nach Zusammensetzung des Urins kann es um das Stoma herum in seltenen Fällen zu einer Kristallbildung kommen. Diese Kristalle können Schmerzen verursachen und zu leichten Blutungen führen. Setzen Sie sich in diesem Fall mit Ihrem Stomatherapeuten oder Arzt in Verbindung.
Um das Stoma herum können sich Phosphatablagerungen bilden, die als grünliche/warzenförmige Knötchen sichtbar werden. Diese Knötchen heilen ab, wenn der Kontakt mit Urin vermieden wird.
Eines der häufigsten Probleme ist eine Entzündung der stomaumgebenden Haut. Sie entsteht sehr oft durch einen unkorrekten, zu großen Ausschnitt der Hautschutzplatte oder durch eine undichte Versorgung. Wird diese Entzündung nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu einer massiven Hautschädigung kommen, die sehr schmerzhaft ist.
Unzureichender Hautschutz kann auch zu weißer, aufgequollener Haut (Waschfrauenhändehaut) führen.
Führen Sie bei ausgeprägter Körperbehaarung im Bereich der Hautschutzplatte eine regelmäßige Rasur durch, um einer Entzündung der Haarbälge vorzubeugen.
Wenn Sie folgende Veränderungen an Ihrem Stoma bemerken, kontaktieren Sie Ihren behandelnden Arzt oder Stomatherapeuten.
Durch Gewichtszunahme kann es zu einer trichterförmigen Einziehung Ihres Stomas kommen, die dazu führt, dass die Versorgung ständig undicht wird. Die Umstellung auf ein spezielles, konvexes Versorgungssystem kann hier hilfreich sein.
Durch häufige Entzündungen im Stomabereich kann es zu einer gravierenden Verengung des Stomas kommen, die sich durch einen immer kleiner werdenden Stomadurchmesser bemerkbar macht.
Man spricht von einem Prolaps, wenn der Darm 3 cm oder mehr über das Hautniveau austritt.
Ihre Bauchdecke ist durch den Eingriff in ihrer Stabilität geschwächt. Deshalb kann es durch zu schweres Heben sehr schnell zu einem Bruch kommen, der sich durch eine Vorwölbung im Stomabereich bemerkbar machen kann. Deshalb gilt: Bitte nicht über 10 kg schwer heben!
Wenn sich der Geruch oder die Farbe Ihres Urins verändert und/oder Sie Fieber bekommen, kann es sich um eine Entzündung der Harnwege (Harnwegsinfekt) handeln. Ihr Arzt kann diese Erkrankung durch eine Untersuchung des Urins erkennen. Durch eine Behandlung mit entsprechenden Medikamenten ist eine Entzündung schnell behoben.
Um einen Harnwegsinfekt zu vermeiden, sollten Sie auf einen regelmäßigen, d. h. einmal täglichen Beutelwechsel, ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter pro Tag) achten.
Bitte beachten Sie, dass weißer, klebriger Schleim im Stomabeutel nicht auf eine Infektion hinweist, denn Ihr Urostoma besteht aus einem Stück Darm, welches ständig Schleim produziert. Zur Verminderung der Schleimbildung im Stomabeutel nehmen Sie täglich 100 mg Vitamin C/Ascorbinsäure nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.
Entfernen Sie den Urostomiebeutel, reinigen Sie das Stoma und die Haut, halten Sie einen sauberen Probenbehälter unter das Stoma und lassen Sie Urin in den Behälter abtropfen. Dieser Vorgang kann eine Weile dauern, ist jedoch die einzige genaue Methode, um eine Urinprobe zu entnehmen. Eine Urinprobe darf nie direkt aus dem Urostomiebeutel oder dem Nachtbeutel genommen werden. Sollte eine sterile Urinprobe benötigt werden, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Stomatherapeuten.
Sollten Sie beobachten, dass Ihre Urinausscheidung vermindert ist oder sogar vollkommen ausbleibt, suchen Sie bitte sofort Ihren Arzt auf, der die Ursache dafür feststellen wird.