Stomaträger starten Petition gegen Hilfsmittel-Ausschreibung der DAK-Gesundheit

  • 14/12/2017
  • Unternehmen, Stoma


Mit der DAK hat eine der größten Krankenkassen Deutschlands eine Ausschreibung gestartet um die Versorgung ihrer Versicherten mit Stoma-Hilfsmitteln neu zu regeln. 14.000 Stomaträger sind davon betroffen. Sie befürchten eine negative Entwicklung, wie sie in den letzten Jahren bereits bei der Versorgung von Inkontinenz-Patienten beobachtet werden musste. Mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HVVG) hat sich der Bundestag im Frühjahr gegen Ausschreibungen bei besonders beratungsintensiven Hilfsmittel-Versorgungen ausgesprochen, worüber sich die DAK jetzt hinweg setzt. 

Ausschreibungen sind nach Einschätzung der Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. grundsätzlich der falsche Weg, um Verträge zur Hilfsmittel-Versorgung für die rund 160.000 Menschen mit einem Stoma in Deutschland auszuhandeln. Die Hilfsmittel-Versorgung bei einem „künstlichen Darmausgang“ ist besonders sensibel und der Verein befürchtet, dass weitere Krankenkassen dem Beispiel der DAK folgen werden. 
Mit der Petition, die sich direkt an den Vorstands-Vorsitzenden der DAK-Gesundheit Andreas Storm richtet, machen Stomaträger auf ihre Lebenssituation aufmerksam und auf die Folgen, die Ausschreibungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. Sie fordern: Herr Storm, stoppen Sie die Ausschreibung der DAK-Gesundheit! 

Das Wahlrecht wird untergraben 
Bei einer Ausschreibung kann es nur einen Gewinner geben und dieser wird durch den günstigsten Preis bestimmt. Stomaträger verlieren dadurch ihr Wahlrecht. Sie dürfen nicht mehr frei unter verschiedenen Vertragspartnern ihrer Kasse wählen und sind bei der Auswahl der individuell passenden Stoma-Versorgung, bei der Verlässlichkeit der regelmäßigen Lieferung und in der Betreuung zu Hause von der Qualität eines einzigen Anbieters abhängig. 

Einschränkungen in der Qualität der Hilfsmittel sind absehbar 
Für viele Stomaträger war es ein langer und steiniger Weg, bis sie ihre individuell passenden und zuverlässigen Stoma-Hilfsmittel gefunden haben. Immer niedrigere Erstattungs-Pauschalen sorgen zwangsläufig für Einschränkungen in der Auswahl der Hilfsmittel. 
In der Inkontinenz-Versorgung haben Ausschreibungen zu deutlichen Qualitätseinbußen geführt. Inkontinenz-Hilfen die eine gute Lebensqualität sichern, sind häufig nur noch gegen eine Aufzahlung aus der eigenen Tasche erhältlich. Auch für Stoma-Hilfsmittel werden mit Ausschreibungen absehbar zusätzliche Aufzahlungen für die gewohnt zuverlässige Hilfsmittel-Versorgung fällig. 

Die DAK ignoriert das HHVG 
Grundsätzlich hat der Gesetzgeber im Frühjahr diesen Jahres der Ausschreibung von Hilfsmittel-Versorgungen mit „hohem Dienstleistungsanteil“ eine Absage erteilt. Die Stoma-Versorgung ist für die Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. ohne Zweifel mit einer umfangreichen Dienstleistung verbunden. Mit ihrer Ausschreibung stellt die DAK-Gesundheit nicht nur den tatsächlichen Versorgungs-Bedarf von Stomaträgern in Frage, sie ignoriert auch den offensichtlichen Willen des Gesetzgebers.

Über die Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. 
Der Selbsthilfeverein hat sich der Förderung der Lebensqualität von Menschen mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung (Stoma) durch Information und Aufklärung, Erfahrungsaustausch, Beratung und Hilfe zur Selbsthilfe verschrieben. Der Verein unterstützt den Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen und Angehörigen, engagiert sich in der Unterstützung von Selbstgruppen vor Ort, berät persönlich von Stomaträgern für Stomaträger, informiert und klärt auf.

Link zur Petition
https://www.openpetition.de/petition/online/herr-storm-stoppen-sie-die-stoma-ausschreibung-der-dak-gesundheit